Arbeitslosigkeit ist eine Vollzeittätigkeit

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Arbeitslosigkeit ist eine Vollzeittätigkeit

In dieser Woche war der Tagespresse eine Meldung zu entnehmen, aus der hervor ging, dass ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Krankheit besteht. Das ist nicht verwunderlich, denn in die Erwerbsarbeit fließt alles das ein, was man in einem langen und teils mühsamen Bildungsprozess an Fähigkeiten und Charaktereigenschaften erwirbt, beziehungsweise ausprägt. Was in der Familie und in der Schule gelernt wird, was im Freundeskreis und im Freizeitbereich an Qualifikationen hinzu kommt, was in einer Ausbildung (so denn die Chance dazu bestand) trainiert wird, alles das will in einer bezahlten Arbeit seinen Ausdruck finden. Insofern ist es ein Akt der Gewalt, wenn man von dieser Art des Selbstausdrucks durch Arbeitslosigkeit abgeschnitten ist. Hinzu kommt eine gesellschaftliche Ausgrenzung, die diesen Zustand auch nicht gerade leichter macht.

Um dem zu begegnen ist es sinnvoll, sich darüber bewusst zu sein, dass Arbeitslosigkeit zwar die Abwesenheit von bezahlter Arbeit darstellt, aber trotz allem eine „Vollzeittätigkeit“ ist. Denn das Bemühen um Arbeit stellt eine Tätigkeit dar, die das gesamte wache Bewusstsein beansprucht. Dem folgt, dass es notwendig ist, den Tag zu strukturieren, ähnlich einer Selbstständigkeit. Denn nur allzu schnell gerät man in einen Sog, der durch den Mangel an Sinn und dem Zuviel an Zeit entsteht: dieser Sog heißt entweder blinder Aktivismus oder Resignation, jedoch sind beides nur die zwei Seiten einer Medaille. Wie kann eine solche Strukturierung des Tages und damit ein Entgegenwirken gegen diesen unerwünschten Sog aussehen?

Ganz bewusst sollte man die „angenehmen“ Seiten der Arbeitslosigkeit in den Tag mit einplanen. Das kann das ersehnte Ausschlafen sein, das kann im Spazierengehen bestehen, im Sport oder in der Beschäftigung mit einem Thema, das man aus Zeitmangel immer hinausgeschoben hat. Nun ist die Zeit dafür da. Also gehört eine bestimmte, klar umrissene Zeit des Tages genau den Beschäftigungen, die sonst im Arbeitsalltag zu kurz gekommen sind. Wenn das Ausschlafen bedeutet, dass man erst um 9.30 h fit genug ist, um sich den Bewerbungen zu widmen, oder der frühe Nachmittag und das schöne Wetter zu einem Spaziergang einladen, dann sollte man das ohne schlechtes Gewissen tun. Neben der Erholung entsteht hier durch den Kontrast zum Berufsalltag nämlich oft ein Kreativitätspotential, das einer späteren Tätigkeit zuträglich ist, zum Beispiel durch das Bewusstwerden einer Fähigkeit, die bisher aus Zeitmangel nicht gelebt wurde. Das kann ein neues Hobby sein, das beruflich verwertbare Aspekte enthält, das kann aber auch eine ehrenamtliche- oder Vereinsarbeit sein, die Bestätigung bringt und dabei hilft, neue Fähigkeiten auszubilden.

Acht Stunden des Tages gehören dann dem direkten Bemühen um Arbeit. Diese Zeitspanne ist wichtig, damit man nicht aus dem gewohnten Rhythmus von Arbeit und Freizeit heraus fällt. Die Chance, aber auch der Fluch liegt in der Selbstbestimmtheit der zeitlichen Organisation und das fordert zu einem straffen Selbstmanagement auf, was gerade in Zeiten eines schwachen Selbstbewusstseins – eine direkte Folge von Arbeitslosigkeit – nicht leicht zu bewerkstelligen ist. In die „Arbeitszeiten“ gehören die direkte Beschäftigung mit der Stellensuche (und wer je eine Bewerbung geschrieben hat, weiß, wie arbeitsintensiv das ist!), Besuche bei der Arbeitsagentur, Recherche nach freien Stellen, Kontakte knüpfen und pflegen, innovative Wege suchen, erstellen eines Stärken-Schwächen-Profils, Teilnahme an Trainingsmaßnahmen usw. Auch die lediglich gedankliche Auseinandersetzung mit dem Thema, mit dem „Wie“ und „Wo“ gehört hier her.

Es ist für das Gesundbleiben zentral wichtig, dass man ganz bewusst die „schönen“ Seiten der Arbeitslosigkeit sieht und sie sich zugesteht. Je abgegrenzter und bewusster man sie erlebt, um so größer ist die Chance,  heil an Geist und Körper wieder aus dieser Lage heraus zu finden und sogar einen gewissen Erholungseffekt zu verspüren, der dann der neuen Stelle sehr zugute kommen wird.

Ein besonderer Hinweis: Es wird leider sehr oft auf die schwere Vermittelbarkeit von Langzeitarbeitslosen verwiesen, dabei wird vergessen, dass in der Arbeitslosigkeit unter erschwerten Bedingungen, wie dem schwindenden Selbstbewusstsein,  Schlüsselqualifikationen ausgeprägt werden, die für jeden neuen Arbeitgeber bares Geld wert sind. Es sind beispielsweise Fähigkeiten wie Motivation, Selbstmanagement, ein hohes Maß an Organisationfähigkeit, Eigeninitiative, Belastbarkeit, Frustrationstoleranz und Kreativität. An diesen Fähigkeiten sollte bei einer Erfolg versprechenden Wiedereingliederung angeknüpft werden, sie sind da, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht sichtbar sind.

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